Mittwoch, 14. März 2012

the final blue


niemandsland
(the final blue)


man kam aus unvorstellbaren ewigkeiten
in eine begrenzte zeit
und man war
niemand

erkannt von manchen
die suchend durch ihre zeiten irrten
glaubte man alsbald (ein) jemand zu sein

irrigerweise
denn alles was gesagt und geschrieben und getan wird
taucht hinter horizonte wie ein fernes wetterleuchten
verwandelt sich in gedankenwelten
wo nichts mehr tatsächlich ist





und so war man schließlich gegangen
als niemand
zurück über die grenze der zeit



*    *    *    *    * 

Freitag, 13. Januar 2012

was soll's




was soll's

die sonne ist müde gewesen
und da hat ihr die nacht das licht
weggenommen.
und da habe ich noch ein bisschen gedacht
was das alles soll.
aber mir ist dann langweilig geworden
und ich habe geschlafen.

                             
                                                   dedicated to albert camus:  "l'étranger"




  



*    *    *

Dienstag, 8. November 2011

gold

gold

hatte ein leben gold gesucht
und oft gefunden
die welt war voll davon und manchmal
war's auch in mir


als dann die zeit ihre fenster zu schließen begann
war es wie beim turmalin
und seiner dunkel goldbraunen varietät
immer noch war da dieses gold
doch es war unscheinbar
verborgen
und still

und nur noch glänzend
wenn deine strahlen darauf fielen




*   *   *   *   *

Montag, 7. November 2011

keine besonderen vorkommnisse



keine besonderen vorkommnisse

heute
gestern
vorgestern
tage wie die meisten tage
vierundzwanzig stunden gelebt
überlebt



am leben geklebt
zeit
verlebt
die noch nie da war
und gleich wieder verging
im sekundentakt kreisender zeiger
kaum wahrgenommen
und schon verabschiedet ins nichts

lebenszeit
ohne besondere vorkommnisse




*    *    *    *    *


Samstag, 8. Oktober 2011

nachtkatze


nachtkatze

als dann die nacht kam
und die schatten des tages schlafen gingen
und es langsam dunkel wurde
in den spinnwebenwinkeln und staubigen ecken
alter schuppen
und um die häuser herum
wo hier und da eine helläugige katze
dicht an den abendwarmen ziegeln entlangstrich
da sagtest du so war es immer
dieses dämmern in die stille hinein und ins schweigende
und ins heimliche




 und auch deine augen waren jetzt ganz hell
als sie mich fassten



*    *    *    *    *    *    *    *

Freitag, 7. Oktober 2011

nachher




nachher

wieder du mir gegenüber
wie damals
bist schön noch immer und immer noch du




und wie damals
stummen mir die worte die ich
zu sagen hätte
und wie damals wirst du sie
nicht wissen
nachher



*    *    *    *    *    *    *

Donnerstag, 6. Oktober 2011

finale



nicht mehr
lieben und doch fühlen
nicht mehr
leben nur noch da sein
atmen
und doch fast ersticken
denken
und sich im kreise
drehn


*   *   *   *   *


Montag, 3. Oktober 2011

bist lange fort









bist lange fort
wir haben aufgehört zu sein
unsere welt ging im nirgendwo verloren
wir haben uns aufgelöst
wie die schillernd bunten seifenblasen
mit denen wir
staunenden kindern gleich
unsere träume in die luft gepustet haben




über die wege und straßen unserer zeit
wandert jetzt das vergessen
und nur manchmal noch
hüllen mich sanfte abendlichter in die gewänder der vergangenheit


*   *   *   *   *

Sonntag, 2. Oktober 2011

wenn vögel weinen



die vögel fliegen nicht mehr ordentlich
sagst du
und du sagst
das ist keine richtige eins mehr



da bringe ich die asche weg
ein holz halb verkohlt
bleibt liegen
weißt du wir werden alles für immer mehr wollen
das wird nicht gehen und
sie werden weinen die vögel
sage ich noch
aufschauend zu dieser zerflatterten eins
und keine taschentücher haben
sagst du
und ich lege neues holz ein



*   *   *   *   *

Freitag, 30. September 2011

ewigkeiten





 eines tages
war es dann soweit
die zeit hatte uns mit ihren
sekundenundminutenundstunden
zugeschüttet
mehr war für dich und mich nicht zu ertragen


      www.art-hedieh.blogspot.com


dabei konnten wir am anfang
gar nicht genug von ihr bekommen
aus unseren schönsten augenblicken
wollten wir immer ewigkeiten machen
lebenslänglich
sollten sie dauern
mindestens

eines tages
war es dann aber so weit
die ewigkeiten forderten freispruch



*   *   *   *   *

Donnerstag, 29. September 2011

irrwitz

ist schon
eine total irrwitzige vorstellung
dass milliarden einmaliger menschenwesen
mit ihren traumschiffen
satellitenschüsseln
rabattschlachten und politikerreden und gewinnspielen
friedensnobelpreisenstadtmusikantenundcurrywürsten
auf dieser kleinen kugel
in einem unbegreiflichen raum herumrollen





und dabei
wohl nicht mehr herauskommt
als dass diese kleine kugel in nicht allzu ferner zeit
wieder ganz allein herumrollen wird



*   *   *   *   *

Sonntag, 11. September 2011

september 001


der italiener serviert den espresso
menschen schlendern vorbei
wir sitzen da immer gerne




alles ist weitergegangen
wir haben weitergemacht

wir sitzen da
wieder
und um uns herum
ist gut besetzt

sind alle da

...


*    *    *    *    *    *    *    *    *

Mittwoch, 31. August 2011

noch zögernd


noch zögernd

wenn sich in dunstige morgen lichtbahnen
schmiegen
und in schwebenden feengewändern
über schimmerndem grün
die sonne erwacht




dann hebt - noch zögernd - das jahr seine hand
und will uns seinen abschied winken




*    *    *    *    *




Montag, 15. August 2011

wir wissen so wenig


wir wissen so wenig

wortadagios
satzgemälde, begriffsgebinde
klangvolles wie aus füllhörnern
dieses hohe sprechen
wo so wenig gesagt werden kann




gedrechseltes reden
worte umgreifen und umkreisen einander
türmen sich wie zu babels zeiten
taugen nur für den augenblick
schweben vorbei
oder werden sogleich entlassen
und geben wieder
keine antwort


*    *    *    *    *    *    *

Samstag, 13. August 2011

lebensqualität


lebensqualität

die geister
wir räkeln uns in designer-sesseln
die wir riefen
meditieren vor multimediamaschinen
ich rief sie doch nicht
hantieren mit hightech-handys
denke ich manchmal und
stelle mir



in exclusiven limousinen
dieses leben vor
die garderobe ist vom feinsten
wie  es denn wäre
und der flug in die karibik ist gebucht
ohne
katastrophengewaltbevölkerungsexplosionterrorkriegundkälte



*    *    *    *    *

Freitag, 12. August 2011

abschiede


abschiede

ist ein blasses blau da draußen
müde sinkt die sonne in die nacht



unter dem himmel ist es still geworden
ferne rotpunkte im dunkel
schlusslichter


*    *    *    *    *    *

Donnerstag, 11. August 2011

farben


farben

als die menschheit sich
mit terror
weltumspannenden glaubenskriegen
und unter einwirkung chemischer und bakteriologischer substanzen
endlich verabschiedet hatte




erstrahlte nur wenige zeiten später
die geschundene erde
wieder in sonnengrasgrün und sonnenwasserblau und sonnensandgelb
und leuchtete
in allen diesen farben
die lange verloren gegangen waren

in den zufluchtssphären
der kämpferischen religionen , ideologien und wissenschaften
hockten derweil schweigend
die kämpfer
und starrten mit leeren augen auf die farben der vergangenheit



*    *    *    *    *

Mittwoch, 10. August 2011

die sonne hat sich zugehängt






der märchenmond ist in die wolken gefallen
unsere farben
verschlafen den morgen und verträumen
den tag
das fetzt nicht mehr so wir atmen
normal


www.art-hedieh.blogspot.com

schon lange schweigen die vögel die für uns
jubilierten
der wind der uns streichelte
gehört wieder dem wetterbericht
gedankenverloren
lauschen wir unserem lied im radio
vielleicht summen wir mit
an der einen weißt du noch oder anderen stelle
vielleicht
aber
das fetzt nicht mehr so



*   *   *   *   *

Dienstag, 9. August 2011

sie war



sie war
manchmal
voller ungeduld
weil sich ihre träume
nicht sogleich und nicht immer
erfüllten

ihm aber stockte der atem
manchmal
denn seine wünsche waren
 längst gelebt

sie fieberte voraus
sehnte sich nach vorn
richtete sich in der zukunft ein
er aber
schaute oft  zurück

sie war zwanzig

er war
erinnerung



*    *    *    *    *

Montag, 8. August 2011

heute


heute



waren wieder
weiche weiße wattebäusche
am glockenblumenblauen
himmel
ach gott,  stöhnt der leser
wie kitschig

aber es war so


*    *    *    *    *    *    *

Sonntag, 7. August 2011

nachtarbeit




als die nacht kam
wollte ein traum in mein fenster klettern
ein zweiter gesellte sich hinzu
- auch er mit allerhand gepäck -
und sie besprachen
ob sich die mühe lohnte
da lud ich sie ein
alle beide
und gemeinsam genossen wir geschichten
weit jenseits von tausend und
einer nacht


www.art-hedieh.blogspot.com


später sagte ich bleibt doch noch oder
kommt morgen wieder
da mussten sie passen
aber sie sagten
die leicht gewordenen rucksäcke schulternd
sie würden mich
in ihren kreisen weiterempfehlen



*   *   *   *   *

Samstag, 6. August 2011

einfach nur drehen



aus allen kanälen
fetzt es
unheilgeil
jeder tote ist medienpflicht
nachrichten von überalltoten
eingebettet in backgroundnoten
ex und hopp





und
tief der traum
die erde würde sich mal nur drehen
einfach nur
drehen


*   *   *   *   *

Freitag, 5. August 2011

ansichtssache



sie kommen
aus aller herren länder
und wollen am liebsten
gar nicht wieder
weg

scheisspolitikarbeitslosigkeitsteuernbankenkriminalitätwetter

murrt manch ein deutscher
und träumt diese träume


www.art-hedieh.blogspot.com

aber bitte jeweils vom feinsten
und mit rückticket
aus denen die anderen
flüchten



*   *   *   *   *

Donnerstag, 4. August 2011

letzter tanz



noch landen kraniche auf den feldern
und stärken sich für den weiterflug
noch leuchten der bäume bunte mähnen
und eine tiefe sonne schmiedet das gold dieser ruhigen tage





manchmal ist auch ein rascheln in den ästen
in der stille des weges
müde blätter nehmen sich zeit
für ein letztes schaukeln, für ein tanzen
ein letztes sich wiegen

und weiße schleier heben sich über dem see
an diesen abenden
wenn die tage zu träumen beginnen

.   .   .   .   .

Mittwoch, 3. August 2011

keine mitfahrgelegenheit



du verstehst mich nicht
sagt sie
deutlich von oben herab
mit dieser spur von vernichtung in der stimme
und übersieht dabei
dass nur wir selbst auf den straßen unserer gedanken fahren
da fährt niemand
mit uns
mit




allenfalls
müht sich jemand
ein paar kilometer hinter uns






*    *    *    *    *


 
  



Dienstag, 2. August 2011

blaue blumen



blaue blumen



wenn das leben ein bilderbuch wär
dann malte es dich als blaue blumen
über die ein sanfter wind bewundernd streicht

im gold des sommers auf entlegenen feldern




*    *    *    *    *    *    *    *

Montag, 1. August 2011

tage voller licht




tage voller licht

die leere flasche wein

auch am letzten abend stand sie noch da
der herbst wird sie
irgendwann hinwegfegen





ich aber habe die erinnerung an dich
an diese tage voller licht
und ich weiß
dass sie mir bleibt
wenn auch die stürme kommen




Sonntag, 31. Juli 2011

reset


reset

als dann
so ganz allmählich
gleich silhouetten an einem fernen horizont
die erinnerungen im ungefähren blieben




als sich mir
auch die bilder verfremdeten
weil die zeit ihnen die farben nahm
und das zurückliegende
manchmal im traum
seltsam verwoben sich dem zugriff entziehend
weitab jeder wirklichkeit spielte

da wäre so ein reset - button
vielleicht ganz hilfreich gewesen



*    *    *    *    *








Samstag, 30. Juli 2011

in späteren jahren




immer wieder mal ist da diese leere




es geschieht nichts mehr
oder nicht mehr so viel
in unserem leben
oder nur noch wenig von bedeutung
denn die stürme haben sich gelegt
die wellen die uns hoch hinaustrugen
haben sich geglättet
das war einmal

sie kommen jetzt sanfter daher
gemächlich
laufen sie schon aus
bevor sie uns erreichen



*   *   *   *   *

Freitag, 29. Juli 2011

rot



rot

als der zug
aus der halle glitt
war da noch dein taschentuch
es hob und senkte sich
so weiß
 so ein bisschen kapitulation
später gingen die schienen leer
in der ferne zusammen
und ich
wandte mich um



 starrte auf ein rotes plakat
ohne zu begreifen
es leuchtete
so rot


*   *   *   *   *

Donnerstag, 28. Juli 2011

lapislazuli



was kümmern mich
die jahrmillionen
oder die kräfte die es brauchte
für dieses blau
für diese dunkle ruhe
mit ihren goldfarbenen lichtern



mich lockt die schönheit
und tief
und dunkel
und wie ein wohlklang
ihre farbe



*   *   *   *   *